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Dies ist ein Projekt in Zusammenarbeit mit Martin Wilhelm, Steinbach/Taunus. Ein zugesagter Ausstellungsort wird der Kunstverein Germersheim sein, vermutlich 2009 oder 2010. Weitere Ausstellungsorte für diese Idee werden noch ausfindig gemacht.

Klaus Harth arbeitet seit 1997 an der ursprünglich auf 100 Bilder konzipierten Reihe "einen Vogel zu haben ist besser, als nichts zu haben, das ideale Rotkehlchen", die bis Ende 2006 auf 873 Bilder angewachsen ist.

Die Verwendung eines Motivs mit einem solchen Grad an Niedlichkeit ging von Anfang an einher mit der Fragestellung, was man malen könne, was auch beim Machen einem selbst genügend Widerstand und Raum für Zweifel böte, kurz:
Darf man Vögel malen?
Kann man Vögel glaubwürdig malen?
Darf man Vögel glaubwürdig malen?
Was passiert, wenn man dies über einen längeren Zeitraum hin tut?

Wie funktionieren Bilder?
Wie funktioniert eine solche Serie?
Kann man sie spannend halten?
Haben Franz von Assisi und Sisyphos etwas gemeinsam?
Kann man sich einen glücklichen Vogel vorstellen?

Francis Bacon äußerte sich einmal über die Motivwahl dahingehend, dass ein Maler ein Sujet finden müsse, dass einen beschäftige und derart herausfordere, dass über diese Auseinandersetzung das Entstehen von purer Dekoration per se ausgeschlossen sei.
Dem Vogelmotiv ist die Neigung zur bloßen Dekoration eingeschrieben und genau hier, sich an dieser Grenze entlang bewegend, liegt der ganz eigene Kick dieser Serie.


Die Arbeit von Martin Wilhelm, die zu ausgewählten Exemplaren der Vogelserie parallel gezeigt werden soll, zeigt eine vergleichbar stringente Vorgehensweise, hangelt sich aber Tag für Tag durch ein ganzes Jahr. Dabei entsteht jeden Tag eine Zeichnung am Computer, mit einfachstem Strichmaterial, die ein bestimmtes Tagesereignis aufgreift und in einer einzigen Formulierung verdichtet.

Bodo Kirchhoff beschreibt in seinen Frankfurter Poetikvorlesungen (Vorlesung Nr. IV "Dem Schmerz eine Welt geben" ) :
"Wer hier, in unserer Welt, lebt, muß schon gewaltigste Anstrengungen auf sich nehmen, um für den Schmerz - wie für das Glück - nicht einfach, aus einem schier unermeßlichen Angebot, ein Zeichen zu wählen, sagen wir: Mozarts Requiem oder ein Glas Gavi di Gavi auf dem Marktplatz von Siena, sondern ihn zu symbolisieren und ihm so eine eigene Welt geben."

Und etwas später: "Literatur...läßt einen wissen, daß der eigene Schmerz nicht einmalig ist und man selbst demnach auch nicht - dadurch werden wir etwas kleiner; gleichzeitig ermöglicht sie uns, brüderlicher oder schwesterlicher zu empfinden, wodurch wir wieder etwas wachsen."

Nichts anderes macht Martin Wilhelm in seinen Zeichnungen (wobei er auf Schmerzen gerne verzichtet): aus einem ganz konkreten inividuellen Ereignis wird eine Zeichnung und diese als solche wieder offen für die Verknüpfung mit den Erfahrungen der verschiedenen Betrachter, ohne ihre Ausgangspunkte zu verleugnen. Jeder muss an jedem einzelnen Tag morgens erneut aufstehen und seine Steine den Berg hinaufrollen. Und manchmal steht dabei jemand im Weg. Manche gehen hin und machen dann abends davon noch eine Zeichnung.

Die erste Serie mit dem Titel "Alle Tage 2004" entstand unabhängig von Harths Vogelbildern und umfasst 366 Zeichnungen auf DIN A4-Blättern. Für die Zusammenarbeit mit Klaus Harth und der Präsentation in einer gemeinsamen Ausstellung wurde der Faden wieder aufgegriffen und 2007 mit einer neuen Serie begonnen.

Wir denken, beide Serien haben sich durchaus etwas zu sagen.
Das Entwickeln von Bildern und Erzählsträngen über einen längeren Zeitraum hin ist Thema beider Ansätze.
Die inhaltlich unterschiedlichen, sich von Tag zu Tag ändernden Blätter Martin Wilhelms, finden ihren Zusammenhalt rein formal im gleichen Zeichenstil, inhaltlich in der Grundhaltung des Herangehens an jeden einzelnen Tag.
Die Vogelbilder Klaus Harths variieren das immergleiche Motiv und versuchen durch sich verändernde formale und inhaltliche Herangehensweise dabei den Dingen auf den Grund zu gehen.

Beide Serien eint eine weitere Eigenschaft: Sie kommen auf den ersten Blick recht heiter daher und sollen auch in einer möglichen Präsentation diesen Charakter beibehalten..

Der (Arbeits)titel der Ausstellung lautet >Parcours<.

Dies nimmt im Wesentlichen Bezug auf die geplante Präsentation im Zeughaus. Während die Vogel-Bilder von Klaus Harth die Wände des Kunstvereins okkupieren, ziehen sich Martin Wilhelms Zeichnungen an Wäscheleinen befestigt durch den Raum.

Sisyphos rollt seine Lasten ausnahmsweise einen gepflegten >Parcours< entlang. Die Stolpersteine finden sich, so denken wir zumindest, von ganz alleine, wenn man den vorgezeichneten Weg aufmerksam abschreitet.


Janauar 2007




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